LOOS & PARTNER Unternehmensberatung

Außergerichtliche Sanierung statt Insolvenz

Außergerichtliche Sanierung: zentrale Größe „Vertrauen“

Neben der gerichtlichen Sanierung mithilfe des Insolvenzrechtes steht Unternehmen zur Beseitigung einer existenzbedrohenden Krise auch die Möglichkeit einer außergerichtlichen Sanierung offen.

Die außergerichtliche Sanierung bietet dabei eine hohe Flexibilität in der Abwicklung und stellt eine wichtige Alternative zur gerichtlichen Sanierung dar.

Bei einer aktuellen Studie 2015 untersuchte Dr. Stefan Mayr von Johanns Kepler Universität 920 (!) außergerichtliche Sanierungsfälle in Österreich empirisch in der Unternehmerpraxis. Der Erfolg der Sanierung wurde dabei anhand einer abgeschlossenen Sanierungsvereinbarung beurteilt. Darüber hinaus untersuchte Dr. Stefan Mayr auch eine Reihe von Sanierungsfällen qualitativ und deren Sanierungsverlauf auch mittels drei Kennzahlen bewertet: Liquidität zweiten Grades in Prozent, Eigenkapitalquote in Prozent und EBIT als Absolutwert.

Zusammenfassend konnten folgende Erfolgsfaktoren mit signifikant positivem Einfluss festgestellt werden:

  1. Interne Reorganisation und Umstrukturierung: Bei 71 Prozent aller erfolgreich sanierten Unternehmen wurde eine interne Reorganisation und Umstrukturierung vorgenommen, wobei die Häufigkeit dieser Maßnahme wiederum mit der Unternehmensgröße zunimmt.
  1. Offenen und proaktive Kommunikation: Betreibt ein Unternehmen eine offene und proaktive Kommunikationspolitik gegenüber der Bank, ist ein außergerichtlicher Sanierungsversuch signifikant häufiger erfolgreich. Insgesamt verfolgten ca. 76 (!) Prozent aller erfolgreich abgeschlossenen Fälle diese Politik.
  1. Änderung im Management: Erfolgt ein Wechsel im Management, ist der Sanierungsversuch häufiger erfolgreich. In rund 42 Prozent aller erfolgreich, außergerichtlich sanierten Unternehmen erfolgte ein Wechsel im Management.

Weitere Einflussfaktoren auf den Sanierungserfolg – aber mit geringerer Bedeutung - waren:

  • schriftliches und vom Unternehmen ausgearbeitetes Sanierungskonzept
  • Gesellschafterbeitrag und Investoreneinstieg
  • Innovationstätigkeit
  • Neukredit der eigene Bank
  • Obligoverzicht der eigenen Bank
  • Verkauf von wesentlichen Vermögensteilen

„Zusammenfassend ist der Erfolg einer außergerichtlichen Sanierung neben der konsequenten Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen von der Umsetzung der wesentlichen Stakeholder, im speziellen der Finanzierungspartner, abhängig. Ist das Vertrauen gestört, ist eine außergerichtliche Sanierung sehr unwahrscheinlich“, weiß Dr. Stefan Mayr von der Johannes Kepler Universität.