Innerfamiliäre Betriebsübergabe kläglich gescheitert Interview mit Harald Rusch, Geschäftsführer, HARALD RUSCH | ABDICHTER, SPENGLER + DACHDECKER GMBH
Bei der Firma Rusch Abdichter, Spengler + Dachdecker GmbH in Lauterach war eigentlich klar, dass das Unternehmen an Sohn Harald Rusch übergeben bzw. verkauft wird. Doch dann kam es ganz anders.
(1) Was waren Ihre ersten Gedanken und Erwartungen, als Sie und Ihre Familie begonnen haben, die Nachfolge im Unternehmen zu planen?
Harald Rusch: „Als wir 2018 mit der konkreten Nachfolgeplanung begannen, befand ich mich gerade in einer Übergangsphase: Nach neun Jahren im Unternehmen hatte ich erst kürzlich den Schritt vom Vorarbeiter in eine organisatorische Rolle im Büro gemacht. Dann erkrankte mein Vater plötzlich schwer und fiel mehrere Monate aus. Ohne echte Einarbeitung musste ich seine Aufgaben praktisch über Nacht übernehmen – von Kalkulation und Akquise über Abrechnung und Personalthemen bis hin zur Einteilung und Koordination zweier Service-Teams.
Diese Erfahrung führte für mich zu der klaren Erkenntnis, dass ich künftig offiziell die Geschäftsführerposition in allen Gesellschaften übernehmen und über die entsprechenden Kontovollmachten verfügen muss.“
(2) An welchem Punkt wurde klar, dass die Übergabe nicht wie geplant funktionieren würde?
Harald Rusch: „In den vergangenen fünf Jahren wurde der geplante Übergabe- bzw. Verkaufstermin insgesamt zweimal verschoben, weil die Verhandlungen mit meinem Vater immer wieder scheiterten. Anfang dieses Jahres hatte ich zwar noch auf eine Einigung gehofft, aber innerlich bereits Zweifel entwickelt.
Als dann Mitte Februar 2025 auch der vierte angesetzte Übergabetermin kurzfristig und ohne jede Vorwarnung abgesagt wurde, wurde mir endgültig klar, dass die Übernahme unter den bestehenden Bedingungen nicht realisierbar ist und ich die Planungen vorerst einstellen muss.“
(3) Was waren die Hauptgründe, warum die innerfamiliäre Übergabe nicht zustande kam? Lagen die Herausforderungen eher im fachlichen, persönlichen oder zwischenmenschlichen Bereich?
Harald Rusch: „Ich sehe zwei klare Gründe, warum mein Vater die Übergabe abgebrochen hat. Zum einen hätte die Übergabe für ihn Machtverlust bedeutet – sowohl innerhalb der Familie als auch nach außen. Der zweite Grund ist rein finanzieller Natur.“
(4) Wie gehen Sie heute mit dieser Erfahrung um, nachdem der ursprüngliche Plan nicht aufgegangen ist? Hat sich Ihr Verhältnis zu Ihrem Vater oder zur Firma dadurch verändert?
Harald Rusch: „Rückblickend bin ich dankbar für all die Erfahrungen, sowohl die positiven als auch die herausfordernden. Sie haben mich fachlich wie persönlich weitergebracht. Ich bin stolz auf das, was wir gemeinsam aufgebaut und erreicht haben. Künftige Entwicklungen werde ich dennoch lieber aus einer gewissen Distanz beobachten.“
(5) Welche beruflichen Perspektiven verfolgen Sie nun? Planen Sie, weiterhin im selben Branchenumfeld tätig zu sein, oder schlagen Sie eine völlig neue Richtung ein?
Harald Rusch: „Ich habe mich in derselben Branche selbstständig gemacht und bin am 01.10.2025 mit der HARALD RUSCH | ABDICHTER, SPENGLER + DACHDECKER GMBH erfolgreich gestartet. Spannende Projekte mit bestehenden sowie neuen Kunden stehen bereits bevor – darauf freue ich mich sehr und gehe voller Energie in diese neue Phase.“
Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben.