Die Vorarlberger „Büffel“ übergeben an die fünfte Generation Interview mit den Brüdern Benjamin, Florian und Dominik Faigle
Die drei Brüder Benjamin, Florian und Dominik Faigle werden die Willy Faigle GmbH & Co KG in Hörbranz in 5. Generation übernehmen. Seit fast 120 Jahren werden dort hochwertige Reinigungsprodukte, Holzpolituren und Pflegeprodukte unter dem Markennamen Büffel produziert. Dank langfristiger Planung und Unterstützung durch eine Unternehmensberatung meistert die Familie den Übergabeprozess ohne große Schwierigkeiten.
(1) Die Firma Willy Faigle gibt es bereits seit 1907. Was ist euer Erfolgsgeheimnis?
Dominik Faigle: „Unser Erfolg liegt in der ausgewogenen Verbindung von Tradition und Innovation – ergänzt durch die Flexibilität eines kleinen Unternehmens, um schnell auf Kunden- und Marktbedürfnisse zu reagieren.“
Florian Faigle: „Wir haben seit 1907 das gleiche Credo. Jeder im Unternehmen denkt und agiert absolut kunden- und bedarfsorientiert. Wir leben alle die gleichen Werte.“
(2) Übernahme eines Betriebes in der 5. Generation – ist das eine Belastung, eine Bestimmung oder eine Verpflichtung?
Dominik Faigle: „Ich würde sagen eine Bestimmung. Die Entscheidung lag ganz bei uns – unsere Familie hat uns ermutigt, zunächst eigene Wege zu gehen um außerhalb Erfahrung zu sammeln.“
Florian Faigle: „Das stimmt. Ich zum Beispiel habe eine Ausbildung zum Zimmerer gemacht, Benjamin wurde Destillateur und Dominik Versicherungsmakler.“
Benjamin Faigle: „Die Entscheidung, unser Familienunternehmen zu unterstützen, hat jeder von uns für sich und zu unterschiedlichen Zeitpunkten getroffen. Unseren Vater freut es natürlich besonders, dass wir das Familien-Unternehmen als solches weiterführen werden.
Unser Ziel ist“ (lacht) „,dass die nächste Büffel-Generation in 25 Jahren am Zug sein wird.“
(3) Knapp 90 Prozent der Belegschaft sind Faigle-Familienmitglieder. Wie geht ihr mit Konflikten - geschäftlich und privat - um?
Benjamin Faigle: „In Konfliktsituationen hilft uns die gemeinsame Ausrichtung: Im Mittelpunkt steht stets das Wohl des Unternehmens.“
Florian Faigle: „Wir sind dankbar, dass es kaum Interessenskonflikte gibt, da wir ähnlich denken. Herausfordernder ist mitunter die Kommunikation – als Familienbetrieb neigt man dazu, kritische Themen zunächst vorsichtiger anzusprechen.“ (lacht)
(4) Euer Vater Peter Faigle tritt zum Jahreswechsel die Pension an und Günther Faigle wird rund 2 Jahre später in den Ruhestand gehen. Wie geht ihr mit dem Knowhow-Verlust um?
Florian Faigle: „Wir standardisieren Prozesse und dokumentieren sie digital. Anfangs hörten wir noch „Das verstehst du dann schon, wenn du das öfter gemacht hast“ – aber mittlerweile sehen alle ein, dass gewisse Informationen abrufbar sein müssen, falls jemand ausfällt.“
Dominik Faigle: „Ich selbst übernehme bereits die Buchhaltung von unserem Vater und etabliere die neue Buchhaltungs-, sowie die Warenwirtschaftssoftware. Ziel ist, die nötigen Informationen so zu hinterlegen, dass eine externe Person problemlos diesen Bereich übernehmen kann. Anschließend werde ich vermehrt in den Außendienst wechseln, um direkt beim Kunden zu sein.“
Benjamin Faigle: „Unsere künftigen Rollen sind klar definiert: ich übernehme die Produktionsleitung, Florian verantwortet Lager, Versand und Einkauf, und Dominik kümmert sich um das Büro und den Verkauf. Somit ist auch definiert, wer welches Knowhow wo dokumentieren muss.“
(5) Was sind die größten Herausforderungen während des Übergabe-Prozesses?
Florian Faigle: „Für die Geschäftsübernahme haben wir eine Unternehmensberatung hinzugezogen, die uns insbesondere bei der strategischen Planung unterstützte. Unter anderem ließen wir eine Unternehmensbewertung erstellen – ein entscheidender Schritt, um den tatsächlichen Wert des Betriebs transparent zu machen. Da wir Anteile vom Onkel übernehmen, bildete diese Bewertung eine faire und nachvollziehbare Grundlage für alle Beteiligten.“
Dominik Faigle: „Der Rollenwechsel ist ein spannender Prozess: Die ältere Generation muss Verantwortung loslassen, die jüngere sie übernehmen und zukunftsgerichtete Entscheidungen treffen. Mittlerweile gelingt uns das gut – vor anderthalb Jahren hatten wir noch Zweifel, ob dieser Schritt tatsächlich möglich sein wird.“
Benjamin Faigle: „Uns war wichtig zu vermitteln, dass Veränderungen nicht aus Kritik an Bestehendem erfolgen, sondern weil wir Prozesse modernisieren und an heutige Anforderungen anpassen möchten.“
Dominik Faigle: „Wir schätzen es sehr, dass wir auch nach der Übergabe jederzeit auf ihre Erfahrung zurückgreifen können – sie bleiben uns als wertvolle Ansprechpartner natürlich erhalten.“
Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für das Interview genommen habt!