Experten-Interview mit Michael De Stefano "Viele Betriebe scheitern nicht an Aufträgen, sondern an Liquidität"

Als unabhängiger Spezialist für Finanz- und Wirtschaftsberatung weiß Michael De Stefano (De Stefano Consulting) genau, wo der Schuh drückt – nämlich dort, wo Unternehmen mit Liquiditätsengpässen, steigenden Finanzierungskosten und wachsender Unsicherheit konfrontiert sind. Im Interview erklärt er, mit welchen Stellschrauben Unternehmer:innen nachhaltig finanzielle Stabilität schaffen.

(1) Herr De Stefano, Sie begleiten Unternehmen nun schon seit 30 Jahren in Finanzierungsfragen. Was ändert Ihre bankenunabhängige Beratung in der Finanzierungsstrategie im Vergleich zur klassischen Hausbankberatung?

Michael De Stefano: „Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass eine bankenunabhängige Beratung nicht an ein einzelnes Institut gebunden ist – sie kann auf mehrere Banken, Förderstellen und alternative Finanzierungsquellen zugreifen. Zusätzlich verbessert sich dadurch die Verhandlungsposition deutlich: Angebote können verglichen und kombiniert werden, was oft zu besseren Konditionen und mehr Flexibilität führt. Die Zusammenarbeit mit der Hausbank bleibt wertvoll, sollte aber idealerweise durch weitere Partner ergänzt werden.“

(2) Welche wirtschaftlichen Herausforderungen sehen Sie für Vorarlberger KMU aktuell?

Michael De Stefano: „KMU stehen derzeit unter hohem Druck: Unsichere Nachfrage, steigende Energie- und Betriebskosten sowie ein hoher Steuer- und Abgabendruck lassen viele Betriebe mit sinkenden Margen arbeiten. Der Fachkräftemangel bremst das Wachstum zusätzlich, während bürokratischer Aufwand wertvolle Ressourcen bindet. Besonders unterschätzt bleibt das Thema Unternehmensnachfolge – in vielen Fällen ist sie nicht ausreichend geregelt und gefährdet langfristig Betriebe und Arbeitsplätze. Globale Unsicherheiten und volatile Märkte machen langfristige Planung zusätzlich schwieriger.“

(3) Wie wichtig ist aktives Liquiditätsmanagement heute, und welche einfachen Maßnahmen bringen erfahrungsgemäß am meisten?

Michael De Stefano: „Aktives Liquiditätsmanagement ist für KMU oft überlebensentscheidend – viele Unternehmen geraten nicht wegen fehlender Aufträge in Schwierigkeiten, sondern weil Ein- und Auszahlungen zeitlich nicht abgestimmt sind. Den größten Hebel bietet konsequentes Forderungsmanagement: Rechnungen zeitnah stellen, klare Zahlungsziele setzen und ein strukturiertes Mahnwesen umsetzen. Ebenso wichtig sind längere Zahlungsfristen bei Lieferanten sowie eine wöchentliche Liquiditätsvorschau, um Engpässe frühzeitig zu erkennen. Finanzierungen sollten aktiv gesteuert werden – Kreditlinien rechtzeitig anpassen und Fördermöglichkeiten nutzen, bevor Engpässe entstehen.“

(4) Wie hat sich das Verhalten der Banken bei Kreditvergaben in den letzten 2–3 Jahren verändert, und welche Rolle spielen alternative Finanzierungsquellen?

Michael De Stefano: „Banken sind deutlich vorsichtiger und selektiver geworden: strengere Bonitätsprüfungen, höhere Eigenkapitalanforderungen und mehr Dokumentationsaufwand prägen heute den Alltag. Der Fokus hat sich klar von Wachstum durch Kreditvergabe hin zur Risikominimierung verschoben. Alternative Instrumente wie Leasing, Factoring oder öffentliche Förderungen der Austria Wirtschaftsservice gewinnen deshalb an Bedeutung – nicht als Ersatz, sondern als entscheidende Ergänzung. Während früher ein Kredit bei der Hausbank oft ausreichte, ist heute ein aktives Finanzierungsmanagement aus mehreren Bausteinen gefragt.“

Vielen Dank für Ihre Expertise, Herr De Stefano.

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