Leasing als strategischer Erfolgsfaktor Interview mit KommR Betr.oec. Gerhard Hamel, Volksbank Vorarlberg
Leasing ist weit mehr als eine alternative Finanzierungsform – richtig eingesetzt, kann es Liquidität sichern, Innovationen ermöglichen und Investitionsentscheidungen absichern. Im Gespräch mit KommR Betr.oec. Gerhard Hamel, Volksbank Vorarlberg, beleuchten wir die Rolle von Leasing in der strategischen Unternehmensfinanzierung, den Einfluss digitaler Plattformen und die zukünftige Entwicklung des Marktes.
(1) Können Unternehmen Leasing strategisch einsetzen – etwa zur Liquiditätssicherung oder Innovationsförderung?
Gerhard Hamel: „Leasing sollte ein fundamentaler Baustein der strategischen Unternehmensfinanzierung sein, da es für gewisse Anlagegüter sinnvoll ist, die eigene Liquidität ungebunden zu halten und etwaige Investitionen mittels Leasings zu finanzieren. Im Hinblick auf Innovationsförderung ermöglicht Leasing, stets State of the Art ausgerüstet zu sein, sprich frühzeitig Investitionen tätigen zu können, die es dem Betrieb ermöglichen, aktuelle Betriebsmittel anzuschaffen.“
(2) Wie digital ist das Leasinggeschäft heute – für Bank, Kunde und Vermittler? Welche digitalen Tools oder Plattformen bieten Sie Unternehmen zur Leasingabwicklung?
Gerhard Hamel: „Seit Jahren sind bereits Plattformen im Einsatz, die den Kooperationspartnern eine einfache Kalkulation und Angebotsstellung am Point of Sale zu ermöglichen. Aktuell implementiert die Volksbank Vorarlberg Leasing ein neues Leasingportal, welches die Gesamtabwicklung von Leasingverträgen noch integraler für Händler, Vermittler und Bank gestaltet.“
(3) Was raten Sie Unternehmen, die gerade vor einer größeren Investitionsentscheidung stehen?
Gerhard Hamel: „Ich empfehle die Beurteilung der Investitionsentscheidung im Einklang mit der strategischen Finanzplanung und eine Querprüfung mit dem verfügbaren Kapital. Im Hinblick auf die Gesamtfinanzierung sollte geprüft werden, ob die Investition auch direkt Cashflow-relevant ist und das Investitionsobjekt Erlöse erzielt, welche für eine Investitionsrechnung wesentlich sein sollten. Decken sich z. B. die Einnahmen der Investitionen mit den Finanzierungskosten?“
(4) Wohin entwickelt sich das gewerbliche Leasing in den nächsten fünf Jahren? Glauben Sie, dass „Pay-per-Use“-Modelle das klassische Leasing langfristig ablösen könnten?
Gerhard Hamel: „Das Leasinggeschäft an sich ist sehr breitgefächert und reicht von klassischer Investitions-, Ersatz-, bis zu Wachstumsfinanzierung. Pay-per-Use Modelle sind meist herstellergestützt, um die jeweiligen Güter noch rascher und breiter im Markt zu etablieren. Diese Modelle sind bereits gängige Absatzhebel, werden jedoch aus Sicht der Volksbank Vorarlberg Leasing nie ganz das klassische Finanzierungsleasing ablösen.“
Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben.