40 Jahre Lebenswerk, in Etappen übergeben Peter Girardi, SMO-Gründer, spricht im Interview über seinen Weg zur Übergabe
Seit 1985 bietet die SMO ambulante neurologische Rehabilitation an vier Standorten in Vorarlberg – nah am Alltag der Patientinnen und Patienten, weit weg vom Krankenhausbetrieb. Gegründet und geprägt wurde das Unternehmen von Peter Girardi. Nun ist der Kreis geschlossen: Die Stiftung Liebenau, seit 2018 Hälfte-Eigentümerin, übernimmt SMO zur Gänze.
(1) Herr Girardi, Sie haben 2016 durch Loos & Partner eine Unternehmensbewertung für SMO erstellen lassen. War der dadurch definierte Unternehmenswert für die späteren Verkaufsverhandlungen hilfreich?
Peter Girardi: „Der Kontakt mit Herbert Loos und die daraus entstandene Unternehmensbewertung waren für mich eine erste, wichtige Annäherung an das Thema der Unternehmensübergabe. Hilfreich war sie vor allem deshalb, weil ich damit erstmals eine externe Einschätzung des Unternehmenswertes erhielt – eine Grundlage, um meine eigene, naturgemäß subjektive Wahrnehmung zu überprüfen und einzuordnen. Ich sehe es als Pflicht eines verantwortungsvollen Geschäftsführers, das Unternehmen in eine gute Zukunft zu führen – dafür war diese Bewertung ein wesentlicher Ausgangspunkt.“
(2) Die Stiftung Liebenau ist eine kirchliche, gemeinnützige Organisation. Was hat Sie damals – 2017/2018 – bewogen, ausgerechnet diesen Partner ins Boot zu holen, und nicht etwa einen privaten Investor oder eine andere Reha-Gruppe?
Peter Girardi: „Mir war enorm wichtig, dass unsere Unternehmenskultur weitergeführt wird – eine Kultur, die von echtem Respekt gegenüber Patientinnen und Patienten sowie dem gesamten Team geprägt ist. Bei großen privaten Gesundheitsanbietern – häufig börsennotierte Unternehmen mit kurzfristigen Renditeerwartungen – war ich skeptisch. Die Stiftung Liebenau kannte ich bereits seit vielen Jahren als einen Partner, dessen Haltung – der Mensch im Mittelpunkt, langfristige Ausrichtung – meinen eigenen Überzeugungen viel näher war. Dazu kam die inhaltliche Überzeugung, dass stationäre Pflege und ambulante Rehabilitation zusammenwachsen müssen. Ein großer, international tätiger Reha-Anbieter hatte zwar erhebliches Interesse bekundet – letztlich war aber die Werteübereinstimmung mit der Stiftung Liebenau das entscheidende Argument.”
(3) Die Nachfolge verlief in mehreren Schritten – war das von Anfang an so geplant, oder hat sich dieser „Übergabe in Raten”-Prozess erst im Laufe der Zeit entwickelt?
Peter Girardi: „Ja, dieser schrittweise Prozess war von Anfang an von beiden Partnern ausdrücklich so gewünscht: Wir wollten uns in den fast zehn Jahren gemeinsamer Eigentümerschaft wirklich kennenlernen – und daraus organisch weitere Optionen der Zusammenarbeit entwickeln. Das hat zu einem vertrauensvollen Miteinander geführt und war letztlich der Grund, weshalb ich das gesamte Eigentum an die Stiftung Liebenau übertragen habe.”
(4) Nach über 40 Jahren SMO: Was bleibt – und was lassen Sie bewusst hinter sich? Und gibt es etwas, das Sie anderen Unternehmer:innen mit auf den Weg geben möchten?
Peter Girardi: „Was bleibt, ist ein ambivalentes Gefühl: Wehmut darüber, dass 40 Jahre engagierte Arbeit nun ihren Abschluss finden – und gleichzeitig die Klarheit, dass es eine richtige Entscheidung war.
Es erfüllt mich mit tiefer Zufriedenheit zu wissen, dass die SMO nun in den besten Händen liegt. Bereits vor fünf Jahren habe ich die Geschäftsführung an meinen Sohn Raphael übergeben – ein Schritt, der mir durch sein Engagement und die Stärke seines Teams besonders leichtgefallen ist. Ich blicke mit Zuversicht auf das Erreichte und freue mich darauf, dem Unternehmen auch weiterhin eng verbunden zu bleiben und Raphael und seinem Team mit meiner Erfahrung als Ratgeber zur Seite zu stehen..
Was ich anderen mitgeben möchte: Es liegt in der Verantwortung eines Unternehmers, dem Loslassen nicht auszuweichen – und dann die Jungen wirklich machen zu lassen. Ein großer Baum wirft viel Schatten – wer darunter wachsen will, braucht Raum.”